Rohstoffe und Recycling

Der Auf- und Ausbau einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ist für Politik und Wirtschaft längst ein zentrales Anliegen. Zugleich sind die Herausforderungen enorm, die Handel und Industrie bewältigen müssen, um Produktions- und Wertschöpfungsketten entsprechend umzustellen. In Deutschland gelangen 95,3 Prozent der gebrauchten Wellpappe wieder ins Recycling zurück (1). Damit ist Wellpappe schon heute ein Kreislaufprodukt, das zum Gelingen des gemeinsamen Ziels beiträgt.

Ein wichtiger Aspekt, der vielen im Zusammenhang mit Verpackungen nicht bewusst ist: Ein wirksamer Produktschutz durch eine angemessene Verpackung spielt eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, Ressourcen zu schonen. Denn wenn Produkte oder Lebensmittel unzureichend verpackt auf die Reise gehen, kann es zu Verschmutzungen, Beschädigungen oder Verderb kommen. Waren, die unter zum Teil erheblichem Ressourcenaufwand hergestellt oder erzeugt wurden, sind dann gegebenenfalls nicht mehr verwend- oder verzehrbar.

Das fällt umso stärker ins Gewicht, als die CO2-Bilanz der Produkte diejenige der schützenden Verpackungen meist um ein Vielfaches übertrifft. Bei der Produktion eines Desktop-PCs beispielsweise kommt man auf 420 Kilogramm CO2-Äquivalente, während bei der Herstellung einer typischen Versandverpackung aus Wellpappe nur 0,24 Kilogramm CO2-Äquivalente anfallen (2). Wellpappe ermöglicht ein sicheres, effizientes und angemessen auf die Ware abgestimmtes Verpacken für verschiedenste Güter. Damit trägt sie dazu bei, Produktschäden und die damit verbundenen Ressourcenverluste zu vermeiden.

Quellen:

  1. Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM): Recycling von Wellpappe, 2023

  2. bifa Umweltinstitut: Handreichung Treibhausgas-Bilanz von Wellpappenverpackungen und alternativen Mehrwegverpackungen, November 2021

Die Rohstoffbasis von Wellpappe

Das wichtigste Ausgangsmaterial für die Produktion von Wellpappe ist Papier – das sogenannte Wellpappenrohpapier. Die im VDW organisierten Unternehmen setzen bei der Herstellung von Wellpappe im Durchschnitt bereits zu über 80 Prozent Recyclingpapiere ein (1). Der Anteil der Frischfaserpapiere liegt somit bei unter 20 Prozent. Die Papierfasern für die Herstellung der Frischfaserpapiere werden aus dem pflanzlichen Ausgangsrohstoff Holz gewonnen. In Deutschland spielt bei der Herstellung von Primärfaserstoffen Durchforstungs- und Schwachholz eine wichtige Rolle, das bei der Waldpflege anfällt (2). 

Zum Durchforstungsholz zählen auch Bruch- und Sturmholz sowie Holz, das nach Insektenbefall entnommen wird. Beim sogenannten Schwachholz handelt es sich um dünnere Stämme, die wie das Bruchholz nicht für die Sägeindustrie geeignet sind. Eine weitere Rohstoffquelle sind Hackschnitzel, die als Nebenprodukt bei der Verarbeitung großer, erntereifer Stämme für die Säge- und Holzmöbelindustrie entstehen (3). Über die Weiterverarbeitung zu Wellpappe werden die Papierfasern dann Bestandteil eines gut funktionierenden Stoffkreislaufes: In Deutschland gelangen 95,3 Prozent der gebrauchten Wellpappe wieder ins Recycling zurück (3).

Ein weiterer wichtiger pflanzlicher Ausgangsrohstoff für die Wellpappenproduktion ist Stärke, die aus Mais, Weizen oder Kartoffeln gewonnen wird. Sie wird für die Herstellung des Leims benötigt, der glatte und gewellte Papierbahnen zur fertigen Wellpappe verbindet. 

Quellen:

  1. jährliche VDW-Erhebung, Bezug: VDW-Mitgliedschaft, Stand 2025 | https://zahlen-fakten.wellpappen-industrie.de

  2. bifa Umweltinstitut: Nachhaltiger Papierkreislauf – eine Faktenbasis, 2020

  3. Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM): Recycling von Wellpappe, 2023

Europäischer Baumbestand in Zahlen

In den vergangenen Jahrzehnten ist die europäische Waldfläche gewachsen. Dem Bericht „State of Europe’s Forests 2025“ von FOREST EUROPE, UNECE und der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO zufolge nahm die Waldfläche zwischen 1990 und 2025 um insgesamt 23,3 Millionen Hektar zu (1) – das entspricht einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 665.000 Hektar. Obwohl die Holzernte in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen ist und sich die Wachstumsrate des Waldbestandes zeitgleich verlangsamt hat, bewegt sich das Niveau der Holzentnahme weiterhin unter dem des Waldwachstums. 

Quelle:

  1. FOREST EUROPE, UNECE, FAO: State of Europe’s Forests 2025, 2026

Holz und papierbasierte Produkte binden Kohlenstoff

Bäume verstoffwechseln im Zuge der Fotosynthese Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre und binden den darin enthaltenen Kohlenstoff (C) im Holz. Dieser Speichereffekt hält auch dann noch an, wenn das Holz zu Papier verarbeitet wird – und im nächsten Schritt zu Wellpappe. Selbst über viele Recyclingvorgänge hinweg bleibt der Kohlenstoff noch in den Fasern gebunden (1). Verpackungen aus Wellpappe leisten also während ihres gesamten Lebenszyklus einen Beitrag zur Speicherung von Kohlenstoff.

Quelle:

  1. Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): Sustainability by Numbers – Recycled Paper and Climate Change, 2024

Etablierter Stoffkreislauf – 95,3% Recyclingquote

In Deutschland ist die Recyclingquote von Wellpappe – also der Anteil des Materials, der nach Gebrauch wieder in den Stoffkreislauf zurückgegeben wird – mit 95,3 Prozent erfreulich hoch (1). Damit kann der Großteil der gebrauchten Wellpappe wieder als Ausgangsrohstoff für die Herstellung von Recyclingpapier genutzt werden. 

Bei Wellpappe handelt es sich in der Regel um sogenannte Einstoffverpackungen, die recyclingfähig im Sinne des Mindeststandards der Zentralen Stelle Verpackungsregister sind (2). Bei speziellen Verpackungen für besondere Anforderungen wie höhere Feuchtigkeit oder direkten Lebensmittelkontakt ist es möglich, dass Beschichtungen die Recyclingfähigkeit des Materials beeinflussen. Grundsätzlich kann Wellpappe jedoch unkompliziert ins Altpapier zurückgegeben werden. Das gilt nicht nur für private Haushalte – auch im gewerblichen Bereich, zum Beispiel in Supermärkten, wird Wellpappe direkt wieder gesammelt, platzsparend zwischengelagert und durch die Altpapierentsorger in den Recyclingkreislauf zurückgeführt. Die in Wellpappe enthaltenen Papierfasern können diesen Recyclingzyklus mehr als 20-mal durchlaufen (3).

Quellen:

  1. Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM): Recycling von Wellpappe, 2023

  2. Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) im Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt: Mindeststandard für die Bemessung der Recyclingfähigkeit von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen gemäß § 26 Abs. 3 VerpackDG, August 2026

  3. bifa Umweltinstitut: Nachhaltiger Papierkreislauf – eine Faktenbasis, 2020

Europäische Verpackungsverordnung und Verpackungs-Durchführungsgesetz

Das frühere Verpackungsgesetz (VerpackG) wurde zum 12. August 2026 durch das neue Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) abgelöst. Damit wurde das nationale Recht an die Vorgaben der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) angepasst. Die Rahmenbedingungen für Verpackungen werden infolge der PPWR in den kommenden Jahren noch genauer ausdifferenziert, denn die Europäische Kommission erarbeitet über das Sekundärrecht weitere Detailvorgaben zur Umsetzung der Verordnung. Diese betreffen beispielsweise die Berechnung der Leerraumquote, mit der die Verpackungsminimierung gefördert werden soll, sowie die Kriterien für die Recyclingfähigkeit von Verpackungen.